«Komeedi» im Theater(uri)
Der Stammtisch zum
herzhaften Lachen
Ein runder Tisch, ein
runder Aschenbecher mit Reservationsschild, Bier, Pommes
Chips, ein Stammtisch wie viele andere. Das war auch das
Bild auf der Bühne des Theater(uri) in Altdorf am 8.
März. Zur «Komeedi» an diesem Stammtisch war der Saal
bis auf den letzten Stuhl besetzt. Es war ein einmaliger
Abend zum herzhaften Lachen, einmalig bis zum nächsten
Mal.
Springen oder fahren?
– Demonstration, um die Österreicher zu schlagen. –
Unser Bild, von links: die Stammgäste Mäsu, Dean, Hans
und Bruno. Wenig Gastfreundschaft zeigt Rita. (Foto:
Stefan Arnold)
Der runde Tisch, traditionell
mit dem Schild gekennzeichnet: reserviert. Im
Hintergrund tönt Blasmusik, ein Walzer wie an der
Sennenkilbi in Bürglen. Am Stammtisch zur «Komeedi» im
Theater(uri) in Altdorf sind sie am 8. März
zusammengekommen, der Intellektuelle, ein Lehrer, der
Handwerker, politisch zwischendurch und in guter
Stimmung, der Lebemensch, weit herumgekommen, und der
Rappenspalter, ein frühpensionierter Abteilungsleiter.
Der Stammtisch ist eine Gruppe, männlich, wie meistens,
regelmässig am Bier. Aber eine Stange gibt es im
Gasthaus nicht, denn der Apparat «isch z huddlä», wie
die burschikose Serviertochter Rita wiederholt,
schlagfertig, lernfreudig.
Sketch, Satire und
Parodie
Es war ein Abend, der beinhaltete
vieles, Sketch, Satire und Parodie. Es war ein Abend,
der führte zu vielem: zum herzhaften Lachen, zu
Heiterkeit, zur Entspannung und zu Zwischenapplaus.
Daniel Arnold als Mäsu der Lebemensch, Markus Arnold als
Martin der Denker, ausser beim Skifahren, genannt Dean,
René Arnold als Hans der Handwerker mit Tochter
Carischa, und Michael Bissig als Bruno der Zahlenmensch,
Schwingerfan und «Giznäpper», das heisst die
«FuxLacher». Und Madlen Arnold als Rita, die
Serviertochter.
Das
Stammtischgespräch
Im Mittelpunkt der
Stammtischrunde, dem eigentlich geselligen Zusammensein,
stand die politische und philosophische Diskussion.
Bruno hatte Koffer, Rechner und Steuererklärung
mitgenommen. Hans kam verstaubt vom Tageswerk, nicht vom
Hamster. Mäsu fror es noch nach seiner Reise; er hätte
gerne eine warme Mahlzeit gehabt, aber es gab nur ein
Sandwich. Und Dean regte sich über jede Ungerechtigkeit
auf, denn das Rütli gehört auch den Frauen. Im Säli zur
«Komeedi», bis auf den letzten Stuhl besetzt, fand eine
Parteiversammlung statt, wahrscheinlich gar eine
Parteilosenversammlung, weil angeblich auch
Regierungsrat Markus Stadler von einem Stammtischgast
gesehen worden war.
Die Stammtischrunde
diskutierte über Lust und Frust mit den Steuern, über
Finanzdirektor Markus Stadler, überhaupt über den Urner
Regierungsrat, über den «Tag der Frau», spielte die
1.-August-Feier auf dem Rütli und parodierte Bundesrat
Moritz Leuenberger, erörterte die Fahrweise der
Schweizer und Österreicher Skifahrer, analysierte wie
Bernhard Russi und vergass die Polizeistunde, die es ja
gar nicht mehr gibt. Und zum Schluss erschien
tatsächlich Landammann Markus Stadler, der
Finanzdirektor des Kantons Uri, leibhaftig am Stammtisch
der «Komeedi», auf der Bühne des Theater(uri), und
bestellte einen Martini.
Beste
Unterhaltung
Ja, liebe Leserinnen und Leser,
wenn Sie sich wirklich mal furchtbar mies fühlen, weil
es Ihnen so richtig beschissen geht, oder Sie einfach
nicht besonders gut drauf sind, weil Ihnen Ihr
Lebenspartner Adieu gesagt hat oder weil sie den Glauben
an den Bundesrat verloren haben oder Dieter Bohlen für
den Literaturnobelpreis nominiert wurde ... Wenn Sie
auch gut drauf sind, alles stimmt und passt, Sie die
Steuern ohne alles bezahlt haben, die neue Freundin
eingezogen ist und «MusicStar» aus dem Programm gefallen
ist, dann besuchen Sie die nächste «Komeedi», und Sie
werden herzhaft lachen. «Jedes Mal, wenn ein Mensch
lacht, fügt er seinem Leben ein paar Tage hinzu», sagte
Curzio Malaparte. Ja, und wer lacht, hat noch Reserven,
sagt man.
Einmalig und doch
nicht
Premiere, Derniere und dazwischen eine
Vorstellung, hatte Heinz Keller, Initiant dieser
Eigenproduktion des Theater(uri), gesagt. «Komeedi» also
war einmalig – und einmalig gut. Aber es wird doch
wieder eine «Komeedi» geben, aber eine andere, wie
Menschen eben sind. Silas Bucher alias Stefan Arnold
wird sie beobachten, die Textvorlagen liefern. Heinz
Keller wird wieder Regie führen. Fredy Burkart wird die
Gaststube herrichten, Markus Aschwanden und Gregor
Indergand werden die Technik richten. Markus Lechthaler,
genannt Lechti, wird die Maske liefern. Die «FuxLacher»
und Madlen Arnold werden es wieder sagen oder auch
nicht.
Erich Herger
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