Zweite Eigenproduktion des
Theater(uri) «Komeedi»
spielt am Stammtisch
«Äs chunnt scho
guät», meint Hans Herger. «Säg nyyt!», sagt Marcel
Planzer, genannt Mäsu. Sie sitzen am Stammtisch. Rita
Kempf bedient sie. Bruno Vontobel und Martin Müller,
eigentlich Dean Müller, stossen dazu. Sie sind sich
nicht einig über Judith Stamm und die Rütlifeier. «Aber,
äs chunnt scho guät», die «Komeedi» im Theater(uri), die
zweite Eigenproduktion nach «dr
Stangä».
Nicht jedes Problem
kann am Stammtisch gelöst werden. Oder doch? –
Vorbereitung auf die «Komeedi» im
Theater(uri). (Foto: Erich Herger)
Das
Theater(uri) in Altdorf wagt sich nach «Ab dr Stangä» an
die zweite Eigenproduktion. Alles dreht sich wieder um
Menschliches, vielleicht sogar allzu Menschliches. Die
fünf Mitwirkenden nehmen ein grosses Risiko auf
sich.
Textvorlagen von Silas
Bucher
Sie wissen zwar, was sie sagen wollen,
aber ob sie auch alles sagen können, ist unsicher. Silas
Bucher gibt Themen und Texte vor. Sicher ist er nicht,
ob das Publikum das zu hören bekommt, was er
aufgeschrieben hat. Die Eigenproduktion lässt sich durch
den Modetrend «Theatersport» leiten. Die
Schauspieltruppe hat sich in spontanem Reagieren geübt,
liest von Zeitschriften («Schweizer Illustrierte») bis
Zeitungen («Urner Wochenblatt») alles und ist durch die
tollen Programme von Schweizer Fernsehen (SF)
inspiriert. Das Publikum kann sich auf Überraschungen
freuen. Die Schauspielerin und die Schauspieler
unternehmen alles dafür.
Manchmal
ausserhalbdes gesunden
Menschenverstandes
«Komeedi» spielt am
Stammtisch. Dort können alle ungefragt ihre Meinung
sagen, andere belehren oder aushorchen. Und am Schluss
gibt es eben «ä Komeedi» (Urner Dialektwort für
Neudeutsch «Troubles»). «Komeedi» nutzt die Freiheit,
Nichtgesagtes zu sagen und Gesagtes nicht gesagt zu
haben. Innerhalb der Grenzen des Anstandes, aber
manchmal ausserhalb des gesunden Menschenverstandes wird
das politische oder gesellschaftliche Leben und Streben
auf der schiefen Ebene der Bühne des Theater(uri)
getestet. Wer die Premiere verpasst, verpasst alles:
«Komeedi» wird nicht wiederholt.
Die
Stammgäste
Bruno Vontobel ist Schwingerfan,
das heisst frühpensionierter Abteilungsleiter. Er weiss
vieles und alles besser. Einiges in seinem Leben ist ins
Stocken geraten. Und seine Ehe ist eine
Zweckgemeinschaft. Gut hat es Hans Herger, dessen Vater
schon Hans Herger geheissen hat. Er, von Beruf
Zimmermann, hat vor drei Jahren geheiratet. Kurz nach
der Hochzeit kam sein Töchterchen zur Welt. Dean Müller
war immer gerne Lehrer. Noch immer hat er den Draht zu
den Jungen, glaubt er zumindest. Dean fährt einen Ford
Mustang. Seine Frau ist durchgebrannt. Der vierte im
Stammtischbunde ist Mäsu Planzer. Um die 40. Temporär
berufstätig. «Säg nyyt.» Seine Reisen haben ihn zu einem
Kosmopoliten gemacht. Und wenn in der Beiz nicht so viel
los ist, setzt sich die Serviertochter dazu. Rita Kempf,
noch jung, schlagfertig. Sie kann Karate. Von Frauen
haben ihre Gäste keine Ahnung. «Das kann man auch anders
sehen», meint Dean Müller. Offen hat die Beiz am 8.
März. Gäste im grossen Saal sind
willkommen.
Erich Herger
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